Versorgungsforschung chronischer Erkrankungen

Der Arbeitsbereich befasst sich v. a. mit Fragen der Verfügbarkeit, Erreichbarkeit, Inanspruchnahme und Passung von gesundheitlichen Versorgungsleistungen für Personen mit chronischen Erkrankungen sowie der systematischen Analyse ihrer relevanten, zielgruppenspezifischen Effekte.

Im Fokus stehen dabei multiperspektivische und multimethodale Forschungsansätze, die die Perspektiven von Akteuren im Gesundheitssystem, Leistungserbringenden und Erkrankten zusammenbringen und es werden relevante Prozesse wie Stigmatisierung in den Blick genommen, die Auswirkung auf gesundheitsbezogene Entscheidungen und Ergebnisse haben können.

Forschungsprojekte

StiPEx

StiPEx - Stigmatisierung im Kontext der Corona-Pandemie

Exploration psychosozialer Prozesse und intersektionaler Aspekte und ihre Bedeutung für die Prävention

Förderhinweis

Das Projekt „StiPEx“ wird im Rahmen der Bekanntmachung zu gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert (Förderkennzeichen: 01UP2202).

Ziel des Vorhabens ist, aus sozialwissenschaftlicher Perspektive Bedingungen, Prozesse und poten-zielle Konsequenzen gesellschaftlicher Stigmatisierung in der deutschen Bevölkerung im Kontext der Corona-Pandemie zu explorieren und intersektionale Schnittstellen (z. B. zu Alter oder ethnischer Zugehörigkeit) sowie Interaktionen mit anderen gesundheitsbezogenen Stigmatisierungsprozessen, etwa aufgrund psychischer Erkrankungen (sog. Double Stigma), zu eruieren.

In diesem Zusammen-hang sollen auch bestehende Anti-Stigma-Interventionen geprüft und ggf. optimiert und die Optimie-rungen empirisch validiert werden. Als ein Gesamtergebnis des Projekts sollen darauf aufbauend Empfehlungen für stigmafreie Kommunikationsgestaltung für politische Entscheidungsträger*innen sowie hinsichtlich interventioneller (Online-)Angebote für soziale Settings bzw. Kontexte wie Schulen, Arbeitswelten und Gesundheitsversorgung entwickelt und disseminiert werden, um lang-fristig Stigmatisierung in der Gesellschaft entgegenzuwirken und die Resilienz für zukünftige Pandemien und andere stigmarelevante Lagen zu erhöhen.

Projektinformationen

Projektlaufzeit 01/2023 – 04/2026
Weitere Informationen StiPEx
Personal Dafina Danqa, Carlotta Alpers

RehaKomm

RehaKomm

Unterstützung stationärer Pflege in der Rehabilitation durch digitale Kommunikation

Förderhinweis

Das Projekt ist Teil des Förderschwerpunkts „Pilotvorhaben zur Implementierung und Verstetigung von Digital-Health-Ansätzen der Gesundheitsversorgung, Rehabilitation und Pflege“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)

Im Projekt RehaKomm wird eine mobile Anwendung zur Unterstützung der Pflege-Patienten-Kommunikation in der Rehabilitation pilotiert, die es Patientinnen und Patienten ermöglicht, Bedarfe an Pflegeleistungen digital, präzise und ortsungebunden zu äußern und die es Pflegepersonal ermöglicht, damit verbundene Handlungen bedarfsorientiert zu planen, zu koordinieren, umzusetzen und zu dokumentieren.

Mittels einer Mixed Methods-Evaluation wird dabei untersucht, welche förderlichen und hinderlichen Bedingungen für die Akzeptanz und Nutzung der Anwendung im Alltag sichtbar werden, welche Auswirkung die Nutzung auf die Kommunikation und digitalen Kompetenzen sowie arbeits- und rehabilitationsbezogene Zielkriterien seitens der Patientinnen und Patienten sowie des Pflegepersonals hat und welche personellen, sozialen und organisationalen Rahmenbedingungen geschaffen oder gestärkt werden müssen, um kurz-, mittel- und langfristig positive Effekte der Anwendung zu erzielen und nachhaltig sichern zu können.

Projektinformationen

Projektlaufzeit 09/2024 – 12/2025

The Working Mind

The Working Mind

Implementation und Evaluation eines Programms zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen im Setting Universität

Förderhinweis

Das Projekt ist Teil des Förderschwerpunkts  „Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen“ des Bundes-ministeriums für Gesundheit (BMG)

Das Projekt hat zum Ziel, eine evidenzbasierte Multi-Komponenten-Intervention (The Working Mind, The Inquiring Mind) zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen auf den deutschen Sprachraum zu übertragen und im Setting Universität zu evaluieren. Die Intervention wurde bisher u. a. in der Arbeit mit militärischem Personal, in der Gesundheitsversorgung und in post-sekundärer Ausbildung erfolgreich eingesetzt und basiert auf dem Kontinuumsmodell psychischer Gesundheit, das krankheitsübergreifend Stigma reduzieren kann, auch bei besonders betroffenen Erkrankungen wie Schizophrenie.

Der Ansatz an der Lebenswelt Universität erlaubt dabei eine Analyse unterschiedlicher Facetten der Stigmatisierung und eine umfassende Partizipation von Betroffenen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, da neben persönlicher Betroffenheit (1) Studierende das Gesundheitspersonal von Morgen in Medizin, Pflege und Psychotherapie darstellen, (2) Beschäftigte im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen sowie mit Studierenden psychische Gesundheit thematisieren und etwa bei der Inanspruchnahme von Hilfe gegenseitig unterstützen können und (3) die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen durch Führungskräfte im Sinne gesunder Führung in Leitungsentscheidungen (z. B. Personalplanung) programmatisch sichtbar werden kann, sodass ein Kulturwandel der Universität zu einem offenen Umgang mit psychischer Erkrankung unterstützt werden kann. Entsprechend ist die Konzeptualisierung der Verstetigung der Intervention im Setting Universität als Leuchtturmprojekt für den deutschen Hochschulbereich erklärtes Ziel des Projekts.

Projektinformationen

Projektlaufzeit 07/2023 – 12/2025
Personal Emily Nething

Kopfschmerzforschung

Kopfschmerzforschung

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp zeigt sich in einem dumpf-drückenden Dauerkopfschmerz, der meist nicht lateralisiert ist und der sich häufig bei Bewegung bessert. Die Schmerzintensität ist dabei geringer als bei der Migräne.

Aktuell wird in der ICDH-II – Klassifikation ein episodischer vom chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp unterschieden. Während der episodische Kopfschmerz noch in sporadisch (weniger als 1 Tag/Monat) und häufig auftretend (bis max. 14/Monat) unterteilt wird, tritt der chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp definitionsgemäß an mindestens jeden zweiten Tag auf und führt schnell zu einer starken Behinderung, einer Reduzierung der Lebensqualität und zu komplizierten Verlaufsformen (Kropp et al. 2010). Der sporadische Subtyp hat nur geringe Auswirkung auf das Leben des Betroffenen und wird kaum behandelt. Der Subtyp mit häufigeren Attacken dagegen kann mit erheblicher Behinderung einhergehen und eine prophylaktische Behandlung erforderlich machen.

Der Kopfschmerz vom Spannungstyp ist der häufigste primäre Kopfschmerz. Die Lebenszeitprävalenz in der Gesamtbevölkerung variiert in Studien zwischen 30 und 78%, wobei chronische Formen mit einer Häufigkeit von unter 5% vorkommen. Gleichzeitig ist es der am wenigsten untersuchte primäre Kopfschmerz, obwohl er die größte sozioökonomische Bedeutung hat.

Während man bei diesem Kopfschmerz ursprünglich eine primär psychogene Ursache annahm, legen nun eine Vielzahl von Studien, die nach Erscheinen der ersten Version der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzen durchgeführt wurden, nahe, dass zumindest den chronischen Verlaufsformen eine neurobiologische Genese in Form gestörter Regulationsvorgänge zugrunde liegt. Beim chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp (cTTH) scheint ein vermehrter afferenter Einstrom eine Schmerzschwellenverstellung und dadurch eine zentrale Sensibilisierung zu bewirken, die sich als Druckschmerzhaftigkeit im Nackenbereich zeigt (Straube et al. 2008). Der cTTH ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt und zu einer erheblichen Behinderung führt.

Im Rahmen mehrerer Studien wird die Effektivität der verhaltenstherapeutischen Behandlung sowohl des episodischen als auch des chronischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp untersucht.

Demenzforschung

Demenzforschung

Im Rahmen von Forschungen zur Demenz werden diagnostische Methoden zur Differenzierung zwischen vaskulären und degenerativen dementiellen Zuständen entwickelt. Neben explorativ - anamnestischen Daten setzen wir dazu psychologische und physiologische Messverfahren ein.

Ziel ist eine möglichst frühzeitige diagnostische Sicherheit und damit ein früher Behandlungsbeginn, der bei Patienten mit einer Alzheimererkrankung zu einer deutlichen Reduktion der Erkrankungsprogression führen kann.

CARE-FAM-Net

CARE-FAM-Net

Rostock/Hansaviertel – Der Verbund CARE-FAM-NET unterstützt Familien mit Kindern, die an einer seltenen chronischen Erkrankung leiden. Die Kinder- und Jugendklinik sowie das Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Rostock haben unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zwei wichtige psychosoziale Angebote für diese Patientengruppe geschaffen. Zusätzlich bringen weitere 17 spezialisierte Zentren, Institute, Selbsthilfegruppen und Krankenkassen ihr Know-how in das Verbundprojekt mit ein.

Eine Erkrankung gilt dann als selten, wenn weniger als einer von 2000 Menschen betroffen ist. „Familien mit einem chronisch kranken Kind sind oft von Ängsten und Unsicherheiten geprägt. Die Suche nach einer richtigen Diagnose und Therapie kann sehr lange dauern“, sagt Projektkoordinatorin Réka Kurfürst (Galambos) von der Universitätsmedizin Rostock. Außerdem kann die Pflege des Kindes sehr zeitintensiv sein. Die Eltern und Geschwisterkinder sind dabei stark gefordert.

„Der Verbund möchte mit dieser Studie die Krankheitsbewältigung unterstützen, die Familienbeziehungen stärken und eine professionelle Stütze zur Problembewältigung anbieten“, ergänzt Prof. Dr. Astrid Bertsche, Leiterin der Neuropädiatrie der Kinder- und Jugendklinik Rostock. Die Studienpartner bieten eine persönliche Familienberatung und ein Online-Programm für Eltern an. Die Ergebnisse der Studie werden anschließend ausgewertet und fließen in die weitere Therapie mit ein. Psychosoziale Belastungen, psychische Symptome und Erkrankungen können dadurch frühzeitig erkannt und behandelt werden. „Anhand der Ergebnisse können wir zukünftig Lücken in der psychosozialen Regelversorgung für Familien schließen“, sagt Prof. Dr. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universitätsmedizin Rostock.

Für die Studie werden weiterhin Teilnehmer gesucht. Das Angebot richtet sich an Familien mit einem chronisch kranken Kind im Alter von 0 bis 21 Jahren, welches an einer seltenen Erkrankung leidet. Das Kind muss im Haushalt der Eltern leben oder regelmäßigen Kontakt zu seiner Familie haben. „Wir bieten den Familien individuelle psychologische Beratungen an, um sie bestmöglich zu unterstützen“, ergänzt Sarah Jeschke, Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin in Ausbildung. Gefördert wird die Studie vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses als höchstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen.

Studie

Unimedizin unterstützt Familien mit chronisch kranken Kindern

Für die Studie werden weiterhin Teilnehmer gesucht.

Das Angebot richtet sich an Familien mit einem chronisch kranken Kind im Alter von 0 bis 21 Jahren, welches an einer seltenen Erkrankung leidet. Das Kind muss im Haushalt der Eltern leben oder regelmäßigen Kontakt zu seiner Familie haben.

Projektinformationen

Projektkoordination Réka Kurfürst
reka.kurfuerst@med.uni-rostock.de
Projektdokumentation Jenifer Jürgens
jenifer.juergens@med.uni-rostock.de
0381 494 7155