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Einfluss der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson auf die Migräneerkrankung

Die Progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobson wird routinemäßig zur prophylaktischen Therapie der Migräne eingesetzt. Während ihre anfallsreduzierende Wirkung in zahlreichen Untersuchungen bestätigt wurde, sind die Wirkmechanismen noch nicht vollständig bekannt. In der Vergangenheit konnte in verschiedenen Untersuchungen eine Veränderung der kortikalen Informationsverarbeitung (erhöhte Amplituden sowie verringerte Habituationsfähigkeit bei Messung ereigniskorrelierter Potentiale) bei Migränepatienten gezeigt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob die durch ein 6-wöchiges PMR-Training bewirkten klinischen Verbesserungen mit einer Angleichung der veränderten Parameter kortikaler Informationsverarbeitung von Migränepatienten an Gesunde einhergeht, was eine Erklärung für die Wirkung der PMR bei Migräne bieten könnte.

Mit einer Gruppe von 20 Migränepatienten sowie einer Gruppe von 20 gesunden Kontrollprobanden wurde ein 6-wöchiges PMR- Training durchgeführt. Vor dem Training, danach und 3 Monate nach Abschluss des Trainings wurde bei allen eine EEG-Ableitung durchgeführt. Weitere 20 Migränepatienten und 20 Kontrollprobanden wurden lediglich dreimal mittels EEG untersucht; hier wurde kein Training durchgeführt. Alle Migränepatienten füllten über den Untersuchungszeitraum einen Migränekalender aus. Zusätzlich wurden zu jeder Messung Fragebögen ausgegeben.

Bei den EEG-Messungen wurde das Paradigma der „contingent negative variation“ (CNV) eingesetzt. Dieses Potential tritt zwischen zwei aufeinander bezogenen Reizen auf. Ein Warnreiz (tiefer Ton) kündigt hier einen imperativen Reiz (hoher Ton) an, auf den mit Tastendruck reagiert werden soll.  Zwischen Warnreiz und imperativem Reiz lässt sich eine kortikale elektrische Negativierung beobachten.

Bei den Migränepatienten zeigten sich verglichen mit den gesunden Teilnehmern in der Erstmessung signifikant erhöhte Amplituden in der frühen Komponente der CNV. Nach dem PMR-Training nahm die Höhe der Amplitude bei den Migränepatienten ab und glich sich der Reaktion Gesunder an. Dieser Effekt blieb über 3 Monate stabil. Bei den Migränepatienten, die kein PMR-Training erhalten hatten, sowie bei den Gesunden ließ sich keine Veränderung beobachten.

Klinische Effekte zeigten sich in Form einer signifikanten Reduktion der Anfallshäufigkeit nach dem Entspannungstraining sowie einer reduzierten Ängstlichkeit und einem verbesserten körperlichen Befinden (SF-12).

Die bereits in anderen Studien gefundene Abnahme der Migränehäufigkeit bei regelmäßiger Anwendung der Progressiven Muskelrelaxation konnte auch in dieser Untersuchung gezeigt werden. Zudem konnte durch das Entspannungstraining bei den Migränepatienten eine Normalisierung der Amplituden beobachtet werden, was als Hinweis auf einen neurophysiologischen Wirkmechanismus der PMR interpretiert wird.