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Merkmale der kortikalen Informationsverarbeitung und  der Stressverarbeitung bei Migränepatienten, Probanden mit Meditationserfahrung und Kontrollprobanden

 Eine explorative Querschnittsstudie (abgeschlossen)

Meditation in der klinischen Forschung

In der klinischen Meditationsforschung werden die heilsamen Wirkungen von Meditation auf die psychische und physiologische Gesundheit untersucht. Es wird geprüft, ob sich bei Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen durch die Anwendung klinischer Meditationsprogramme eine Abnahme der Symptombelastung erzielen lässt. Für die Behandlung von Migräne wird die Anwendung reiner Meditationstechniken wie Achtsamkeitsmeditation, aber auch körperorientierter Meditationstechniken wie Yoga, Tai Chi und Qigong im Rahmen einer multimodalen Therapie empfohlen (Wahbeh et al., 2008). Die Effektivität und die spezifischen psychophysiologischen Wirkmechanismen dieser Verfahren in der Migränetherapie sind bisher jedoch nur unzureichend untersucht worden (Wells et al., 2011).

Zusammenhang zwischen Meditation, Stress und Migräne

Ein wesentlicher Triggerfaktor zur Anfallsauslösung bei der Migräneerkrankung ist Stress (Göbel, 2014; Neut et al., 2012; Sauro & Becker, 2009). Dieser bewirkt bei Migränepatienten über zentrale Mechanismen eine im Vergleich zu gesunden Menschen verminderte Stressverarbeitung (Huber & Henrich, 2003; Trimmel & Gmeiner, 2001) sowie eine erhöhte kortikale Aufmerksamkeitsaktivierung, die  mittels der Messung der Contingenten Negativen Variation (CNV), einem ereigniskorrelierten Potential (EKP), nachgewiesen wurde (Ambrosini & Schoenen, 2003; Kropp et al, 2005). Die Literatur zeigt, dass sich Meditation positiv auf Stress (De Vibe et al., 2012; Khoury et al., 2013), die Stressverarbeitung (Chiesa & Serretti, 2009) und auf die Migränesymptomatik (Day et al., 2014; Tonelli & Wachholtz, 2014) auswirkt. Diese Studienergebnisse stehen jedoch weitestgehend getrennt nebeneinander und liefern keine eindeutigen Erkenntnisse über  die spezifische Wirkweise der Meditation bei Migräne.

Zielsetzung der Studie

Das Hauptziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob sich Migränepatienten, Probanden mit Meditationserfahrung und gesunde Kontrollprobanden bezüglich ihrer Stressverarbeitung und der kortikalen Aktivierung unterscheiden. Dadurch sollte geprüft werden, ob ein Wirkmechanismus der Meditation über die Beeinflussung der Stress- und der kortikalen Reizverarbeitung auf die Migränesymptomatik angenommen werden kann. Bei allen Probanden wurden als Nebenzielparameter Angst, Depression sowie die Lebensqualität untersucht, da diese Faktoren bei der Migräneerkrankung in Form komorbider Störungen auftreten beziehungsweise eingeschränkt sein können (Breslau et al., 2003; Fritsche & Gaul, 2013; Silberstein et al., 1995).

Ergebnis

Es konnte gezeigt werden, dass die Reiz- und Stressverarbeitung meditationserfahrener Menschen im Vergleich zu Migränepatienten verbessert ist. Insbesondere die Anwendung der negativen Stressverarbeitungsstrategie „Gedankliche Weiterbeschäftigung“ scheint eine erhöhte kortikale Aktivierung zu bewirken und bei Migräneleidenden die Migräneanfälle auszulösen. Die Beschäftigung mit Gedanken und die kortikale Aktivierung waren bei den meditationserfahrenen Probanden am niedrigsten ausgeprägt im Vergleich zu den Migränikern und den gesunden Kontrollprobanden. Daher wird ein Wirkmechanismus der Meditation über die Stressverarbeitung und die kortikale Aktivierung vorgeschlagen, der zu einem selteneren Überschreiten der Migräneschwelle und zu einer verbesserten Migränesymptomatik führt.

Ausblick

Das Ergebnis dieser Arbeit soll zu einer weiteren Aufklärung über die spezifischen Wirkmechanismen von Meditation bei Migräne beitragen, durch die nachfolgende Interventionsstudien im Bereich der präventiven beziehungsweise multimodalen Behandlung der Migräneerkrankung profitieren können.